Butterfly Effect – wilde Ecken, große Wirkung
„Ich habe meinen Garten gekauft, weil ein Schmetterlingsflieder gerade in Blüte Stand und mich die Schmetterlinge verzauberten. Das alte Haus im Garten wurde einfach mitgekauft. Schmetterlinge haben meinen Lebensweg bestimmt. “ S. Klaus
Als Landschaftsarchitekten haben wir ihn oft gepflanzt – nun wird er seit ein paar Jahren stark diskutiert.
Der Schmetterlingsflieder oder Sommerflieder (Buddleja davidii) kam Ende des 19 Jahrhunderts nach Europa und verbreitete sich schnell.
In der Schweiz ist er seit 2024 zusammen mit dem Kirschlorbeer als Neupflanzung verboten.
Er wächst nicht nur in Gärten, sondern auch auf Ruderalflächen und hat keine großen Standortansprüche. Ein einziger Strauch kann Unmengen von Samen produzieren, die Jahre lang keimfähig sind. Daher besteht die Gefahr, dass heimische Pflanzen verdrängt werden. (z.B. Überwucherung von Kiesbänken etc.)
Aber viele Gartenfreunde und Spaziergänger freuen sich jedes Jahr an den Schmetterlingen am Sommerflieder. Leider haben viele Gärten und Freiräume auch sonst für Schmetterlinge und andere Insekten nicht viel zu bieten.
Schmetterlinge und ihre Raupen brauchen oftmals spezialisierte Futterpflanzen. Daher ist Vielfalt im Garten und in der Landschaft wichtig.
Der hier gezeigte Kaisermantel mag z.B. Dost, Disteln und Brombeeren. Er ist gern im sonnigen Wald und an Lichtungen an diesen Pflanzen zu finden. Das Foto wurde an so einer Lichtung gemacht – und es waren duzende Kaisermäntel auf den Brombeeren und Disteln. Die Raupen wiederum mögen besonders gern Veilchen.
Wilde Ecken sind Bausteine der Biodiversität – nicht nur im Garten, sondern auch auf Firmengeländen, Parkplätzen, Straßenbegleitgrün oder städtischen Plätzen sollten natürliche, wilde Zonen erhalten bleiben. Das ist nicht „ungepflegt“, sondern Respekt vor unseren kleinen Mitbewohnern, die Lebensraum brauchen.
Wir müssen mehr Wildnis aushalten lernen, und ihre Schönheit erkennen. So kommen wieder mehr Schmetterlingspflanzen in die Gärten. Wir brauchen den Schmetterlingsflieder nicht als Anziehungspunkt, vor allem da er für Raupen nichts zu bieten hat.
Eine der wichtigsten Pflanzen für Schmetterlingsraupen ist die Brennnessel (Urtica dioica). Brennnesseln dienen fast 40 Schmetterlingsraupen als Futterquelle; manchen sogar ausschließlich z.B. den Raupen vom Tagpfauenauge, Kleinen Fuchs, Admiral etc.
Die Brennnessel können auch wir vielfältig nutzen. Aber mehr dazu ein anderes Mal.
Nun zurück zum Schmetterlingsflieder. Muss ihn nicht verteufeln – aber es ist sinnvoll ihn in Schach zu halten.
Schmetterlingsflieder blüht am einjährigen Holz, daher kann man auf Rückschnitt verzichten, um den Neuaustrieb und die Blühte zu reduzieren. Die Blüten können vor der Samenreife abgeschnitten werden, um ein Aussamen zu vermeiden.
Wenn Gärten und Freiräume eine Pflanzenvielfalt aufweisen und wir vermeiden ihn in die freie Landschaft zu tragen, kann man sich auch am Schmetterlingsflieder freuen.
In unseren Planungen werde wir ihn vermeiden, da wir bessere, heimische Alternativen haben. Die Vielfalt bringt uns die meisten Schmetterlinge.


